Eskapismus in den Medien / Kulturkampf / Werbewirkung

Shownotes

In dieser Folge beantworten die Gesellschaftsforscher und Psychologen Thomas Ebenfeld und Dirk Ziems im Gespräch mit Medienexperte Marzel Becker folgende Fragen:

  1. Eskapismus: Können Medien „Feel Good“ verordnen?
  2. Kulturkampf: Haben wir das Streiten verlernt?
  3. Werbewirkung: Was funktioniert auf welchem Kanal am besten?

Produziert wird der Podcast vom Kölner Medienbüro MAASS·GENAU.

Fragen, Anregungen, Kritik unter: kontakt@dasmarktpsychogramm.de

Studien und Infos unter:concept m

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00:00:03:

00:00:22: Heute geht es um die Frage, ob wir uns manchmal eine schönere Wirklichkeit bauen als sie tatsächlich ist.

00:00:28: Kommt uns vielleicht vertraut vor!

00:00:29: Gute Gefühle sind ein Thema – moralische Debatten und Social Media.

00:00:33: Was davon hilft wirklich und was ist nur Passare?

00:00:37: Und ich sage herzlich willkommen, Dirk und Thomas.

00:00:39: Hi Marcel!

00:00:40: Schön dass wir wieder hier sind.

00:00:41: Hallo schön hier zu sein

00:00:44: DeMarca

00:00:46: Vielleicht fällt euch das auch auf, immer mehr Medien versuchen uns ein Achtung in Anführungszeichen ein gutes Gefühl zu geben.

00:00:53: Also es ist so'n Trend scheinbar.

00:00:56: RTL hat gerade einen Sender gestartet also ein Radiosender mit viel guter Musik.

00:01:00: WDR V nennt's seine Morgensendungen jetzt der Schöne Morgen.

00:01:03: und die spannende Frage an euch macht ein neuer Name den morgen wirklich schöner?

00:01:08: oder haben die Macher einfach nur herausgefunden dass bei ihren Hörern eine größere Sehnsucht nach einer kleinen Flucht aus der Wirkung Was sagt ihr?

00:01:17: Ja, also der neue Name macht den Morgen natürlich nicht automatisch schöner.

00:01:22: Aber es hat vielleicht einen gewissen Priming-Effekt in Zeichen von gefühlt Dauerkrisenunterregung und die Sender haben dann feines Gespür dafür.

00:01:30: das SKPist muss nun seit einigen Jahren doch so'n Trend ist und die das übernehmen.

00:01:35: Also viel gut ist dann vielleicht so Kleines Versprechen, so ein Schutzdach gegen dieses Dauereinprasseln von negativen Nachrichten.

00:01:45: Viele haben mir die Sehnsucht, die sagen auch Mensch, die Medien sind immer so negativ!

00:01:48: Die Nachrichten sind irgendwie immer so schlecht und warum wird nicht auch mal das Schöne in dieser Welt was einen am Morgen beglücken kann gezeigt?

00:01:57: Also von daher trifft es einen großen Trend.

00:02:00: Ich muss euch jetzt mal etwas gestehen aus meiner Zeit als Radiomacher.

00:02:03: Vielleicht haben wir immer das falsche Marktforschungsinstitut damals beauftragt oder die Fragen falsch gestellt.

00:02:08: Aber es kam bei jedem Sender, egal mit welchem Sender du gesprochen hast, es kam immer das Gleiche raus.

00:02:15: Die Menschen wollten im Radio eigentlich nur ein Tagesbegleiter haben.

00:02:20: Gute Laune bekommt bisschen Musik zur vollen Stunde Nachrichten und das war's!

00:02:25: Also ist das vielleicht so ein Zeichen dafür, dass das Radio schon immer so ein bisschen eskapistisch unterwegs war.

00:02:31: oder war's vielleicht sogar der Vorreiter für diesen Trend?

00:02:34: Ich glaube also sich diese Sehnsucht der Menschen ja nicht verändert hat.

00:02:38: Das liegt so in dem Medium stückweit begründet was du sagst.

00:02:42: In der Tat ist Radio hören in vielen Kontexten eine Art Stimmungstapete.

00:02:47: Also das Besondere am Radio ist ja, ich muss nicht mit allen Sinnen dabei sein.

00:02:51: Sondern ich kann begleitend meine Arbeit tun auf den Computerschirm gucken und bügeln was auch immer.

00:02:57: also der visuelle Kanal den kann ich selber noch für anderes nutzen.

00:03:01: Aber ich hab so eine Stimmung im Hintergrund, durch die vielgut Musik oder halt diese warmen Moderatorenstimmen.

00:03:09: Wie du so ne schöne auch hast Marcel.

00:03:11: Boah

00:03:11: danke!

00:03:12: Danke!

00:03:14: Musste doch mal gesagt werden an dieser Stelle...

00:03:16: Dafür muss ich zahlen, du kriegst was.

00:03:18: Dass also hier eben halt eine gehaltene Stimmung kommt, dass da Schwung reinkommt, das da ein Stück Geborgenheit reinkommt und bisschen welthaft dann auch reinkommen Einmal die Stunde kommen halt die Nachrichten, aber das ist so ein dosierter Zugang zu anderen.

00:03:36: Die Hauptsache ist halt so eine emotionale Beton!

00:03:40: Das Radio ist ja eigentlich das intimste Begleitmedien überhaupt.

00:03:44: Das ist auch der Blueprint für alle Podcaste, die wir heute sehen.

00:03:48: und das Radio hat unsere Übergänge so strukturiert, überhaupt in den Tag zu kommen am Frühstückstisch Dann hat man vielleicht die Musik und dann kann man dabei sein Brötchen essen.

00:03:57: Und da weiß man, geht's los!

00:03:58: Wenn wieder ein Informationsblock kommt, die Nachrichten beim Autofahren, die Vorbereitung auf den Arbeitsalltag... Also es hat immer so diese Überbrückung auch geschaffen.

00:04:09: Man kann sagen das informiert ja nicht nur sondern hilft uns eigentlich täglich über den Tag zu kommen.

00:04:15: Also diese Tagesgliederungsfunktion, die ist halt wirklich ganz zentral und es ist so dass ja auch ein Stück weit wie heute Fernsehen geguckt wird sich dem Radio angenehrend hat.

00:04:28: Also das haben wir auch in unserem Alltagsstudio wirklich mit Beobachtenden der Forschung.

00:04:33: Auch so untersucht, dass die Leute halt ein Gutstück da auch das Fernsehprogramm riesen lassen aber dabei auf dem Handy sind oder dabei kochen oder dabei das tun und jedes tun Und ein Stück weit.

00:04:46: diese Giederungsfunktion geht ja verloren wenn man nur noch streamt Also wenn man nur noch auf YouTube unterwegs ist oder auf Netflix, dass man da gar keine zwanzig Uhr-Einleutung des Fernseherabends hat.

00:04:59: Oder auch keinen Schlusspunkt setzen kann und die Leute bis in die Nacht gar keine Glieder rum mehr haben.

00:05:04: also insofern sind diese linearen Medien so werden sie ja auch genannt ganz wichtig weil durch die Linearität habe ich auch einen Ausgleich mit einem Gegenüber was in der gleichen Zeitachse tickt wie ich

00:05:17: Und du hast immer diesen Weltbezug über das... Also das ist nicht nur das intime Kreisen in deinen eigenen Sachen, sondern immer die Anbindung an das draußen über die Themen jetzt Radio, regionale Themen, Nachrichtenlage, Weltlage und so weiter.

00:05:31: Man kann bei den Sendern auch so ein bisschen unterscheiden zwischen den Stimmungs-Sendern und den Anspruchssendern.

00:05:38: Also Anspruchsender ist sowas wie Deutschlandfunk, wo der ganze Tag nur aus Information besteht, Interviews, Politik, Hintergrund usw.

00:05:47: Und das ist ja dann auch eine zu wenig Anstimmungsinfusion.

00:05:52: Aber dieses mit der Wirklichkeit konfrontiert zu werden, was ja meistens durch die Nachrichten passiert und dieser Drang das eben nicht zu erleben ständig mit schlechten Nachrichten konfrontieren zu werden.

00:06:04: Da müsste ja eigentlich wenn wir jetzt schon über dieses Thema gesprochen haben dass die Menschen auf der Flucht sind da müsste Radio ja eigentlich durch die Decke gehen.

00:06:12: aktuell weil so wie ihr es beschreibt ist ja das perfekte Medium überhaupt.

00:06:17: Vielleicht ist Flucht ein bisschen zu starkes Wort, dem Sinne.

00:06:21: also ich glaube Thomas du hattest ja auch gesagt Alltagsbegleiter und dass der Alltag strukturiert.

00:06:27: Dass es so Stimmung reinbricht.

00:06:29: aber richtig fliehen tut man mit dem Radio dann doch nicht aus.

00:06:33: dem Alltag Fliehen, das wäre ja wenn man sich so im komplett andere Fantasiewelden... Das ist eher sowas wie was beim Gaming zum Beispiel passiert.

00:06:43: Wenn man da unterwegs ist mit Truppsoldaten und da irgendwelche Gefechte austritt oder in irgendwelchen Fantasy spielen ist.

00:06:49: Das es dann so echte Ersatzwelt zur realen Welt während das Radio mehr so die reale Welt unterfüttert ein Stück weit auch in Watte packt aber nicht unbedingt so die totale Weltflucht isst.

00:07:04: Genau das ist nicht.

00:07:05: Das ist eher dann in den Filmen, in den Serien im Gaming.

00:07:08: Das auch mal eine Pause vielleicht von der Wirklichkeit die da so andrennt vom Alltag... Aber man muss ja dann auch immer wieder zurückkehren können.

00:07:16: Also diese Übergänge, das ist die Anforderung für uns als Menschen so dass wir die Übergange des Alltags irgendwie hinbekommen ne?

00:07:22: Von der Arbeitsverfassung und Entspannung in die nächste Rolle, dass man um die Kinder kümmert, dann wieder was arbeitet usw.

00:07:29: Und das gelingt mit dem Radio ganz gut.

00:07:31: aber das Radio hat natürlich heute viel Konkurrenz weil wenn du individualistisch dir deine Themenbereiche machst, sagen mal du hast Hobby, Tennis oder Politik da gibt es halt heute sich Podcast, die dann halt mit dem Radio konkurrieren.

00:07:43: oder was Dirk sagt.

00:07:44: Haben wir viel in der Sekten-Screenforschung gemacht und dass die Leute haben auch teilweise immer noch den Fernseher an, sei es Nachrichten, Sender oder anderes weil einfach auch diese vertraute begleitende Stimme etwas hat wo man so einen Bezug hat.

00:07:57: Ja Doktor hast eben im Nebensatz das Wort berieseln lassen erwähnt.

00:08:01: oder diesen Begriff ist er eigentlich so negativ?

00:08:04: Weil manchmal habe ich doch Einfach nur das Bedürfnis und es ist doch auch verständlich, dass ich mich nur berieseln lassen werde.

00:08:09: Also ich kenne das Wort immer nur negativ besetzt aber ich finde's eigentlich gar nicht so negativ Wenn ich ehrlich bin lass'e mich auch gern mal berieseln.

00:08:17: Geht es euch nicht auch so?

00:08:18: Setzt ihr euch nicht auf manchmal die Couch und guckt Lough Island!

00:08:22: Es ist in der Tat so, dass in dem Berieseln steckt ja drin... selber aktiv diese Stundenwelt, so nennen wir das in der Psychologie gliedern muss und das betreiben muss und aktiv sein muss.

00:08:36: Sondern dass ich in so eine Leanback... Verfassung gehe, wo ich mir den Puls, den Rhythmus vom Medium halt zufüttern lasse.

00:08:46: Also es ist insofern auch eine entlastende Funktion die das berieseln hat und das ist ja in der Tat auch in den Vorabendverfassungen, Abendverfassung so wenn man aus diesem Betreiben müssen was man den ganzen Tag hat dieses funktionieren müssen dass man da dann eben auch aussteigt und in diese passive Rolle geht und das is auch ein Stück weit notwendig.

00:09:08: Regeneration im Tageslauf.

00:09:11: Also das Berieseln wird da ein bisschen zu negativ auch oft gesehen.

00:09:15: Das wird ja auch gerade aktuell ja viel diskutiert, also Berieselung hat halt diesen Ruf so nach geistiger Anspruchslosigkeit bis hin zu einer Verblödung.

00:09:23: Das ist aber völlig falsch weil grade das wissen wir aus Forschungen sowas wie Langeweile auch mal komplett abschalten und so.

00:09:30: Das hat super wichtige seelische Funktionen, wir lehnen ja in der teils absurden hyperoptimierten Zeit wo die Leute ständig nur noch mit Selbstoptimierungen beschäftigt sind oder kann ja nichts entstehen.

00:09:42: also die Brieselung kann ja auch ein Freiraum sein wo die Gedanken schweifen wo was passieren darf.

00:09:48: Deswegen wird ja wieder mehr über auch Spielräume und kreative Freiräume gesprochen.

00:09:53: Und von daher ist das ganz im Gegenteil eher wichtig, denn man kann sich nicht nur ständig weiterentwickelt und weiteroptibieren weil irgendwann muss das auch mal gedeihen können reifen können und da braucht es auch Ruhe zu.

00:10:06: Aber dann bedeutet das wenn wir nochmal an den Anfang unserer Diskussion zurückkehren Dann würdet ihr schon sagen, es macht auch Sinn den Menschen durch einen Claim zu sagen was sie dort erwartet.

00:10:16: Was die Ausrichtung ist nämlich viel gut der Morgen soll ganz schön sein.

00:10:20: das Problem ist nur man muss es auch entsprechend füllen.

00:10:23: aber vom Prinzip her ist das schon der richtige Weg.

00:10:26: ja dass ist ganz gutes Marketing weil im Grunde macht dann die Radiosendungen und diese spezifische Radio Sendung Die Macht an so ein Stimmungsversprechen.

00:10:35: also vielguts morgen wird schön.

00:10:38: Also lasst dich auf uns an, bleib bei unserer Welle weil wir versprechen dir Dichter gut über diese ein zwei Stunden zu tragen oder dieser halbe Stunde je nachdem.

00:10:49: Ja also es kommt immer darauf an wie ich das spiele wenn in diesem der schöne morgen vielleicht schon wieder so paternalistische Anspruch steckt, ich erkläre dir jetzt wie du dich gut zu fühlen hast.

00:10:59: Da kann das auch noch hinten losgehen.

00:11:01: also es gehört auch dazu ja immer mal ambivalenzen auszuhalten.

00:11:04: Ich glaube dass gelingt als so ein framing.

00:11:06: aber wir haben das ja in der vergangenheit manchmal auch bei gesetzes vorhaben gesehen.

00:11:10: dann hieß es dann das gute kietergesetz.

00:11:12: Also darf jetzt nicht nur so infantil daher kommen.

00:11:16: Aber jetzt zum schluss.

00:11:17: dieses thema ihr seid mir ausgewichend war steht bei euch auf dem Programm, wenn ihr euch berieseln lasst.

00:11:22: Setzt ihr euch auch mal vor dem Fernseher und macht irgendwas an.

00:11:25: Hauptsache es läuft oder gibt's da gezielt ein bestimmtes Programm?

00:11:29: In Wirklichkeit guckt ihr ohne unterbrochen Phoenix-Debatten!

00:11:32: Ich gucke mit meiner Tochter dann vielleicht auf Netflix rumkommt, was da gerade kommt und das finden wir dann schön.

00:11:39: Und es ist leicht.

00:11:41: oder ZDF-Crimis, gucke ich auch mal irgendwas in Schweden spielt oder so ein Anderland.

00:11:48: Das ist auch schön von den Landschaften.

00:11:50: Da kann man dann schön gucken, ist ein bisschen Urlaubsgefühl auch.

00:11:54: Das ist ganz angenehm.

00:11:56: Ja und Marze, wir haben als Kulturpsychologen auch immer so ein Persilschein bekommen schon von unseren Professoren die meint ihr könnt euch jeden seichten ich nennt es jetzt mal so Salopp jeden Seicht Dreck reinziehen wenn er euch immer fragt was hat das mit der Kultur zu tun?

00:12:10: Wir haben auch viele Formate auch schon untersucht als die Sender noch mehr Budgets hatten.

00:12:15: da haben wir sehr viel Format untersucht Und ich hab dann manchmal auch schon anhand von Temptation Island oder Bachelor auch schon ... Dann Vorträge gehalten und daran versucht Männer-und Frauenbilder zu erklären, beziehungsverhalten heute.

00:12:28: Also man kann das natürlich auch als psychologisches Studium nutzen.

00:12:31: was bewegt die Kultur?

00:12:33: Was auch der Boulevard sagt ja viel über eine Gesellschaft

00:12:36: aus!

00:12:37: Und manchmal ist es natürlich auch unterhaltsam, weil die Sender machen das schon sehr geschickt.

00:12:41: Die haben sehr kluge Leute, die das entsprechend machen und man kommt ja auch ich sag mal gerade bei diesen absurden Dating-Shows, die triggern ja sehr schön das was auch so ein Beziehungsleben ausmacht und so.

00:12:53: Das sind ja so Real Life Experimente wo da manchmal auch so Ahnungslose auch ein bisschen vorgeführt werden.

00:12:59: also hat dann auch manchmal schon berieselnden netten seichten Charakter der ja auch dazu gehört.

00:13:07: Wir streiten in Deutschland leidenschaftlich darüber welche Worte noch erlaubt sind.

00:13:12: Teilweise ist die Diskussion sinnvoll, teilweise sie vielleicht nur noch anstrengend und irgendwann kommt in dieser Diskussion immer garantiert Einsatz.

00:13:19: nämlich haben wir eigentlich keine anderen Probleme.

00:13:22: Das ist unser Problem.

00:13:24: Warum ist das eigentlich so?

00:13:26: Warum können wir mittlerweile so schlecht miteinander diskutieren, oder war das früher auch schon so und wir haben es gar nicht gemerkt?

00:13:33: Es war früher auch ja schon so aber anders!

00:13:35: Aber du hast jetzt viele Fragen in einer gehabt.

00:13:37: also das erste ist dieser emotional- und heftig- und leidenschaftlich ausgetragene Kulturkampf.

00:13:43: Du nennst den auch so Kulturkampf.

00:13:46: Ja die Medien nennen ihn auch so.

00:13:47: ne Also die Streitereien ums falsche Wort Den richtigen Satz Das gegenderte oder nicht gegenderte die Ausrutscher, die es manchmal gibt.

00:13:57: Wo die ideologischen Lager das jeweils nutzen und ich schreibe gerade drüber dass das natürlich eine riesengroße Verdrängungsmaschine ist Nicht zu sagen, da stecken auch in der Diskussion um solche Themen viele Fragen von Identität und Sprach.

00:14:09: Und Anerkennung und wie entwickelt sich eine Kultur?

00:14:13: Aber es verdrängt auch diese komplizierten Strukturprobleme Rente Gesundheit und so.

00:14:18: Da reden wir gar nicht mehr darüber.

00:14:20: Wir reden nicht über war die Steuerreform gut?

00:14:22: aber wir diskutieren ich sage mal irgendein Satz von Dieter Nuhr oder weiß ich nicht von irgendwelchen linken Aktivisten und das steckt halt mehr drin.

00:14:31: natürlich wird im Kulturkampf auch immer unsicher behandelt, aber es verdrängt auch vieles was eigentlich in der heutigen Zeit wesentlich wichtiger wäre.

00:14:40: Ja also ich glaube es ist auch so ein Ringen darum auch in Zeiten der Transformation und Krise auf welche kulturellen Leitbilder sich die Gesellschaft insgesamt bezieht.

00:14:52: Und da stehen letztlich, und das ist immer mit links- und rechts- und progressiv- und konservativ gelabelt.

00:14:59: Das ist sicher auch ein größeres Bild.

00:15:02: Es steht da ein Leitbild wo die Kultur auch lange Zeit mitgegangen ist von dem gesellschaftlichen Fortschritt insgesamt was sehr positiv gesehen ist.

00:15:13: also die Gesellschaft schreitet voran zu mehr Gerechtigkeit zu weniger Diskriminierung zu mehr Offenheit usw.. was vielleicht so ein grün-liberales Leitbild ist.

00:15:25: Das war lange, lange Zeit prominent und man nennt das auch Wipeshift.

00:15:31: jetzt sieht man so angesichts der Krise wollen wir das wirklich so?

00:15:36: in den extremen Ausprägungen wie verpflichtende Moralisierung, Vokismus und so weiter.

00:15:43: Und es drängt auch nach vorne eben ein konservatives Leitbild.

00:15:48: Wir brauchen mehr verpflichtenden Verantwortung, wir brauchen mehr Disziplin – wir brauchen auch mal wieder klare Autoritäten.

00:15:56: Vieles ist schief gelaufen mit dem Lessefär und untergründig, hintergründ.

00:16:02: ich bin ja so ein bisschen so ein Kind der siebziger-achtziger.

00:16:05: Und bin in der Provinz groß geworden wo wir auch noch so autoritäre Lehrer hat mit Kopfnüssen und Kinder richtig schlagen und so.

00:16:14: Auch einen katholischen Priester als Direktor der auch Kinder missbraucht hat.

00:16:20: Also all das ist so in meiner Biografie eben Thema gewesen und deswegen hat man da also auch sowas als gesellschaftlichen Fortschritt erlebt, in der Sozialisation.

00:16:31: ich bin jetzt gerade so sechzig geworden dass eben sowas angeprangert wurde im was die katholische Kirche gemacht hat oder wie sich Dinge halt mit Umweltschutz entwickelt hat und da war so dieser Aufbruch.

00:16:45: also wir entwickeln uns Neue Bahnen, das war so ein Thema meiner Generation.

00:16:50: Aber neue Generationen erleben das anders, glaube ich?

00:16:54: Ja, paar Jahre später hatte schon viele der, ich sag mal, progressiven, achtensechziger liberalen Lehrer... Also ich wollte nochmal einen Punkt erzählen, weil deine Frage war ja wir haben in den letzten Jahrzehnten kann man sagen waren so progressive Veränderungen.

00:17:09: da drehte sich sehr viel um das Thema Sexualität, Geschlecht Diversity, Gleichstellung, Inklusion und Migration.

00:17:18: Also so Themen, die ich würde mal sagen, die politische Linke aufs Trapez gebracht hat.

00:17:23: Und jetzt merken wir seit einigen Jahren da auch so einen Backlash oder wie wird das manchmal gesagt eine konservative Gegenrevolution?

00:17:31: Das Interessante ist und was wir immer wieder sehen in den Studien der letzten Jahre in einer Multi-Optionsgesellschaft, in der wir leben, wird ja vieles verhandelt.

00:17:38: Was schafft Orientierung?

00:17:40: Was stabilisiert unsere Identität?

00:17:42: Was gibt uns Leitbild?

00:17:43: Was führt uns positiv in die Zukunft?

00:17:45: Das sind Fragen, die verhandlt werden.

00:17:47: Dieser Kulturkampf wird von allen Seiten ja so leidenschaftlich verhandelt und geführt, weil es darum gerade geht welche Identität ist prägend.

00:17:57: Was schafft uns hier letztlich auch eine Orientierung?

00:17:59: Bei Sprache ist natürlich immer etwas was eine Gruppe, eine Gemeinschaft konstituiert.

00:18:04: Aber vielleicht interpretiere ich das alles falsch.

00:18:07: Eigentlich ist doch nicht das Problem, dass wir uns mehr Gedanken über Sprache machen und vorsichtiger werden.

00:18:13: Dass wir überlegen was macht Sinn?

00:18:16: Was könnte beleidigend sein wenn mir jemand auch gegenübersteht?

00:18:19: Wenn ich über den spreche... Das ist doch an sich nicht das problem!

00:18:21: Das Problem ist doch scheinbar die Reaktion darauf, wenn ich etwas möglicherweise mache, was einigen Menschen nicht genehm ist.

00:18:31: Ihr erinnert euch an diese Bertelsmann-Umfrage, also es darum ging das so viele Menschen in Deutschland sagen.

00:18:36: Es geht nicht so sehr darum dass man nicht mehr sagen kann was man möchte, dass es Verbote gäbe sondern das Problem wäre die Reaktion auf das was ich sage und dass man deswegen zurück schreckt und sagt da halte ich mich dann lieber raus.

00:18:49: Das ist ja eigentlich das Problem.

00:18:51: oder sehe ich das falsch?

00:18:52: weil Aufmerksamer sollten wir schon sein das finde ich doch vom Prinzip völlig richtig.

00:18:56: Ja, das du recht.

00:18:57: Und in dem sogenannten Kulturkampf steckt ja enorm viel nicht nur Empörung sondern auch immer so eine neue moralische Aufladung.

00:19:06: also der eine kann sich moralisch über den anderen erheben und das ist wieder das was ich eben meinte dass was vielleicht verloren geht in so einer Zeit wo so vieles und alles gleichzeitig nebeneinander existieren kann und möglich ist schafft diese moralischen manchmal die also hypermoralische aufladung und Überhöhungen natürlich dann wieder dieses Identitätsbild Ich bedrichte dich Ich gehöre zu den Guten, ich kann das beurteilen und so.

00:19:28: Und jetzt haben wir das gegeneinanderstehend.

00:19:30: also ich sage mal eine Rechte die der Nationen und Grenzen und Heimat und Geschlecht und Tradition behandelt, die sagen ja vielleicht haben wir diesen Maßstab verloren?

00:19:40: Das ist irgendwie verrückt!

00:19:42: Die anderen haben die Wirklichkeit verlassen und auf der anderen Seite wird aber auch das Bedürfnis nach dem was stabilisierend und begrenzend wirken kann dann nicht zuerkannt.

00:19:52: Also im Prinzip verliert in diesem erregten Kulturkampf die liberale Mitte letztlich.

00:19:57: Und deswegen haben wir in diesem ganzen Konflikt der moralischen Aufladung ganz viel Kränkung, ganz viel Trotz und Übersteigerungen – das führt letztlich nicht weiter!

00:20:07: Das merkt man ja teilweise an diesen Debatten, die dann tagelang in den Medien geführt werden.

00:20:12: Ein falsches Wort ein falscher Satz Das wird dann ehlich diskutiert und das, was ich ja dann beklage ist.

00:20:19: Dass das wirklich wichtig ist in unserem Land.

00:20:21: Vielleicht falsche Strukturen eine Reformnotwendigkeit.

00:20:24: Das wird überhaupt nicht mehr diskutiert.

00:20:25: Es wird völlig überdeckt.

00:20:27: Und dadurch ist es eigentlich auch so ein Verdrängungsapparat der da betrieben wird der aber lustvoll ist, weil jeder auch was davon hat ne?

00:20:33: Weil es einen stabilisiert und Halt gibt.

00:20:35: Ja... Und manchmal hat man auch das Gefühl vielleicht das ist jetzt zu platt was ich formuliere Aber Hauptsache man is laut!

00:20:41: Weil nochmal Es geht hier nicht darum ob ich bestimmte Inhalte gut oder falsch finde Oder richtig oder falsch Gut oder böse.

00:20:48: Ich nehme nur mal das Beispiel von Friedrich Merz Der nun wirklich nicht dafür bekannt ist dass er sich kommunikativ besonders geschickt immer äußert.

00:20:56: Aber sein berühmter Begriff Das Stadtbild Daran werdet ihr beide euch ja noch logischerweise erinnern.

00:21:02: Da gab es einen Riesenaufschrei und dann hast du hinterher in den Umfragen gelesen, dass achtzig Prozent der Bundesbürger ihm aber zustimmen.

00:21:10: Die Diskussion in Öffentlichkeit war aber eine andere?

00:21:13: Ja das war so!

00:21:13: Und das ist das was ich meinte.

00:21:15: also wenn ich entschieden obsessiv dagegen bin und sage gehöre jetzt aber zu den Guten, weil ich habe das moralisch verstanden und das geht nicht.

00:21:24: Also ich glaube er wollte ja vielleicht Missstände anprangern die wie gesagt diese Achtzig Prozent die als Bekunden aussehen?

00:21:29: Aber dann wird halt was draus gemacht!

00:21:31: Das ist eine rassistische Entgleisung und eine Unterstellung unter Diskriminierung und der will die ganzen Integrationsbemühungen zurückdrehen und so... Und das ist genau das was war, es ist lautstärk und die Lautstärke ist ja keine Lösung, es einfach nur laut so.. Aber das führt dann dazu dass die die das so weh ment dann vertreten, sich in dieser überlegenen erhabenden richtigen Position fühlen und das psychologisch der Punkt ist dass diese Orientierungslosigkeit behandelt.

00:21:56: Und diese Identitätsprobleme weil ich habe eine Festigkeit die mir sonst vielleicht verloren gegangen ist, weil ich die nicht mehr einen bestimmten Tradition oder eine religiösen Bindung oder sonst was finde.

00:22:06: Ich finde dann, ich sage mal, in einer kulturkämpferischen Ausrichtung die stabilisierende Ideologie

00:22:12: Dirk hat das ja eben sehr ausführlich auch beschrieben mit seinen Erfahrungen, wie Pastorenfahrer wer auf dem Land möglicherweise sich damals verhalten hat und wie die Kirche dann auch moralisch ins Rutschen gekommen ist.

00:22:23: Aber früher war die Kirchendie moralische Instanz.

00:22:26: heute überhöht sich jeder selbst moralisch.

00:22:28: aber aufgrund welcher Instanz?

00:22:29: ich kann es oft nicht nachvollziehen.

00:22:31: woher kommt denn dass wir alle uns plötzlich einer bestimmt moral so verpflichtet fühlen?

00:22:36: Also ohne Haltung geht ja scheinbar gar nix.

00:22:39: Ich glaub Kant hat das erwähnt, es gibt so diese Sitten-Gesetze oder was dann später in der Ethik übersetzt ist.

00:22:44: also was ist gut?

00:22:45: Was is richtig und so... Und Moral, das ist glaube ich unumstößlich.

00:22:50: aber die Moral ist natürlich auch etwas was als Lösungsmittel genutzt werden kann bei Uneindeutigkeiten, bei Verunsicherung weil nochmal der Mechanismus stabilisiert mich wenn ich zu dem Gefühl den guten gehöre.

00:23:03: Es gibt ja auch pervertierte Moralen, das haben wir bei den Nationalsozialismen gesehen.

00:23:07: Das war fürchterlich.

00:23:08: oder Ideologien die Aggressiv vorgehen und die das im Namen des Guten machen oder so sind auch perverted.

00:23:14: Das sind Pseudomoralen, das sind keine echten Moralen.

00:23:17: aber die moral ist seit einigen Jahren so wichtig weil wir in einer Zeit der kompletten Uneindeutigkeit leben Weil wir natürlich seit den Kulturrevolutionen der Sechziger Jahre eine Vielfalt geschaffen haben, eine Gleichberechtigung.

00:23:30: Wir haben ja alle Institutionen mehr oder minder geschliffen.

00:23:33: Es gibt ja kaum noch was, was Autorität verleiht?

00:23:36: Ja es gibt halt auch eine andere Perspektive dazu.

00:23:39: die würde so sagen ne politische Kultur brauche auch sowas wie ne politisch moral und es braucht ne bestimmte Grenzziehung was man durchgehen lässt Und was eben nicht.

00:23:50: Wo auch es schwierig ist, wenn so etwas wie eine Normalisierung entsteht und man bestimmte Dinge durchgehen lässt.

00:23:57: Das gibt es von allen Seiten.

00:23:59: auf der einen Seite sowas Wenn es islamistische Gruppen gibt die dann sagen Es gibt Scharia-Recht in Hamburg das wollen wir nicht haben aber wir wollen auch keinen Höcker haben.

00:24:10: Der sagt es gibt zu viel schwarz in der Nationalmannschaft Da würde ich von meinen politischen Überzeugungen sagen, nee das will ich einfach nicht durchgehen lassen.

00:24:19: wenn der das sagt.

00:24:19: Das will ich nicht als Normalität im öffentlichen Diskurs stehen lassen und da können wir diskutieren werde ich dann moralisierend übertreibe.

00:24:28: Ich ist aber da setzt eben die Diskussion ein Die

00:24:31: Grundlage wäre eine normative Ethik.

00:24:34: Es gibt auch für eine funktionierende Demokratie Gibt es eben halt auch so etwas, wann ist Herabsetzung und Ausgrenzung zu extrem?

00:24:45: Vielleicht wird auch die AfD zu sehr abgegrenzt und herabgesetzt.

00:24:49: Das kann durchaus sein, dass man da auch einen blinden Fleck hat.

00:24:52: aber das muss eben in der Gesellschaft auch verhandelt werden und dafür sind auch die Debatten gut Und es ist eben so, also diese Grenzziehung stückweit Sinn macht.

00:25:02: Aber ich muss auch sagen Es gibt so eine Verlagerung dann auf so Empfindlichkeiten und so eine Nomenklaturen und eine politisch korrekte Sprache, da denke ich ist es auch schwierig mitzugehen.

00:25:20: Wo man dieses nicht sagen darf und jenes nicht sagen kann.

00:25:24: Und wo auch so ein Druck entsteht wer dann außerhalb der erlaubten Sprache steht wird dann eben des Postens entroben.

00:25:33: Da gibt es sicherlich Missstände die auch aufgetreten sind.

00:25:37: Aber ich glaube, das wäre ja das allerschönste Dirk wenn wir uns einfach in der Gesellschaft über verschiedene Standpunkte austauschen und jeder das Gefühl hat er wird gehört.

00:25:47: Bloß

00:25:48: wenn das alles immer schlimmer wird auch dieses dass jeder ist von irgendwas verletzt.

00:25:53: Jeder hat irgendwie einen moralischen Anspruch.

00:25:56: plötzlich also für meine Meinung glaube nicht den Anspruch bin da einzig allein besitzende der Weisheit und der Wahrheit Dann finde ich, das wird immer schwieriger.

00:26:05: Seht ihr keine Möglichkeit, dass sich in unserer Gesellschaft wieder verändern könnte?

00:26:09: Dass wir alle gelassener werden?

00:26:12: Toleranter!

00:26:13: Weil das ist ja eigentlich das größte Problem dieser Intoleranz, die es ganz oft bei richtig oder falsch gibt.

00:26:20: Also nur weil ich eine falsche Meinung habe heißt es nicht, dass ich ein schlechter Mensch bin.

00:26:23: Wisst ihr was ich

00:26:24: meine?!

00:26:24: Deswegen machen wir auch diese Interviews im deutschen Psychogramm, um zu gucken wie kommen von diesem Dauererregung runter und so.

00:26:31: Wir versuchen das ja zu betrachten.

00:26:32: aber was du eben ansprachst?

00:26:34: Wir haben natürlich vor fünfzehn Jahren schon der Begriff Generation Snowflake also dieses ganz verletzliche... So alt

00:26:40: ist der Begrüß?

00:26:41: Ja ich glaube das fing in der Zeit der Millennials an Übergang in die Gen Z Und dann gab es den Begriff der Mikroaggressionen und Verbale Gewalt und so.

00:26:51: nochmal Wie Dirk auch sagt, das sind ja absolut wichtige Sachen um gegen Diskriminierung.

00:26:56: Um gegen Unsichtbarkeit Ausgrenzung vorzugehen.

00:26:59: Die Frage ist ja nur was wir gerade sehen dass das immer heftiger wird und dass die Lager sich ja gar nicht mehr verstehen wollen.

00:27:06: sie wollen sich gar nicht zuhören

00:27:08: Aber das ist eine Katastrophe.

00:27:10: Zum Beispiel war doch diese Pressekonferenz jetzt als die Demonstration gegen den AfD Parteitag waren wo dann die Aktivisten dann auch teilweise verschisst innen.

00:27:19: Also wenn das auch gegendert wird, dann merkt man schon da wird das gender selbst eigentlich zu so einer Kampfhandlung.

00:27:26: ja weil das ist natürlich Ja, man würde vielleicht auch sagen, ein bisschen absurd das dann zu gendern in dem Fall.

00:27:32: Aber man merkt die Volentiles nicht mehr miteinander reden und gerade deswegen der Weg dahin, dass es wieder ein bisschen souveräner wird.

00:27:39: Und nochmal was Dirk eben meinte diese Übereinkünfte da gibt's Kant, da gibt´s die Ethik.

00:27:44: Es gibt eine allgemeine normative Ethik Ich weiß nicht, ich glaub foltert das die Sittengesetze genannt, es klingt jetzt so etwas altmodisch.

00:27:50: aber sind die Übereenkünfte was geht oder was nicht geht?

00:27:53: Und alles was natürlich wo das kippt Diskriminierung in Hass, in Ausgrenzung.

00:27:57: Das muss heftig bekämpft werden!

00:27:59: Aber absolut... Der Ausgangspunkt war ja wir beschäftigen uns so leidenschaftlich also mit einem falschen Satz über Monate und das eigentliche wird nicht betrachtet.

00:28:08: wie kriegen wir eine Rentenreform vernünftig hin?

00:28:11: Wie kriegen wir die wirtschaftliche Aufschwung wieder hin?

00:28:13: Da wäre ich jetzt optimistisch wenn wir vielleicht mal fünf Jahre weiterblicken dass sich solche Eskalationen auch ein Stück weit rauswachsen können.

00:28:22: und wir hatten das auch mit der achten sechziger Bewegung.

00:28:26: Es gibt auch so alte YouTubes von Talkshows im WDR, von neunzehntundersiebzig.

00:28:32: Wo dann Leute aufstehen und Stühle zadeppern mitten in der Talkshow.

00:28:36: Also was da abgegangen?

00:28:37: Kinski ja solche Sachen!

00:28:39: Aber auch aus dem politischen Raum.

00:28:41: Und RRF und all diese Entgleisungen des Siebziger Da hatten wir hier auch diese völlig unvereinbaren grundsätzlichen Kulturbilder.

00:28:51: Und irgendwie hat sich das dann im Laufe der Zeit auch rausgewachsen.

00:28:56: Und wir können außer psychologischen Perspektive auch optimistisch sein, dass irgendwann wieder vielleicht souveräner und gelassener wird.

00:29:02: Weil wir sprechen immer von der seelischen Selbstbehandlung.

00:29:04: also auf jeden Trend, auf jedes was überdehnt und überspitzt und überzogen wird folgt auch immer in der Regel eine normalisierende Gegenreaktion und ich finde immer so ein Beispiel was absurder nicht geht das ist dieser Rechtsradikale der sich dann da irgendwie entzogen hat indem er sich halt zu einer Frau umdeklariert hat und so und ich glaube da ist vielen auch diese Problematik klar geworden, was damit auch geschaffen wurde.

00:29:29: Dass das jetzt auch dann völlig missbraucht werden kann.

00:29:35: Bevor wir zum Schluss über Werbewirkung, Verweildauer und Interaktion sprechen, wenn ihr Werbung im Internet seht, seid ihr bei YouTube genauso drauf wie ich?

00:29:45: Zum Beispiel dass ihr eigentlich nur noch guckt wo es der Skip und dann geht es weiter.

00:29:50: oder aufgrund eures Berufes beschäftigt ihr euch mit der Werbung im Internet, nimmt das immer sehr aufmerksam wahr?

00:29:55: Oder seid ihr da einfach nur so wie wir alle zu normaler Konsument.

00:29:59: Ich bin in zwei Verfassungen manchmal bei mich jetzt ein Thema im Beitrag begeistert, skipp ich weg.

00:30:05: aber als Psychologe der Werbogen professionell analysieren muss gucke ich mir natürlich auch tatsächlich gerne Werbung an und gucke mir auch an wie's eingebunden ist

00:30:13: Bei dir Dirk?

00:30:14: Geht mir genauso.

00:30:15: also oft skip warten, manchmal bleibt man dran hängen.

00:30:19: Aber wenn ihr euch damit eh so genau beschäftigt, also wir wissen ja das Menschen sehr reflexartig Werbung auch wegwischen.

00:30:26: Was ist denn heutzutage so ein... es wird ja immer View genannt?

00:30:29: Was isst denn das überhaupt noch.

00:30:31: wie würden das gezählt und was ist es überhaupt wert für den Absender?

00:30:35: Also in View ist zunächst erstmal so technisches Ereignis aber es ist ja noch keine psychologische Wirkung.

00:30:42: Und je nach Plattformen ist auch ein kurzer Kontakt der als View gezählt wird.

00:30:46: Auch wenn jemand nach einem Sekunden Hochteil wegwischt, war die Werbung zwar auf dem Bildschirm aber noch nicht im Bewusstsein.

00:30:53: Das wird ja gerade auch diskutiert.

00:30:54: also man darf Sichtbarkeit nicht mit Aufmerksamkeit verwechseln oder erst recht Erinnerungen oder Überzeugung.

00:31:00: und wie beantwortet erstmal nur war etwas verfügbar hat es jemanden erreicht

00:31:04: Und was ist dann eigentlich die richtige Währung?

00:31:06: Wie müsste das aussehen?

00:31:08: Ja, es wird schon ja auch von den Plattformenbetreibern weiter gemeldet.

00:31:13: Ob Skibbatten gedrückt oder nicht und was die dann mit den Mediagenturen abrechnen.

00:31:18: also wofür denn der Werbetreibende zahlen muss ist eigentlich auch so das reale Verhalten.

00:31:24: Also wie viele Leute sind dran geblieben?

00:31:26: Wie viel Leute haben abgebrochen?

00:31:28: Von der Werbewirkung her psychologisch ist wichtig wurde eine Botschaft verstanden wird eine Marke erinnert für das letztlich in Beschäftigung mit der Marke.

00:31:37: Es kann ja auch sein, dass Menschen aus ganz unterschiedlichen Gründen dann auch was leigen.

00:31:41: Das kann zustimmig sein, das kann Höflichkeit sein, es kann vielleicht ich will dazugehören oder ich will etwas unterstützen oder ist vielleicht auch nur eine Gewohnheit.

00:31:48: Also das Problem beginnt ja wenn man dann gutaussehende Zahlen für Werbewirkung hält.

00:31:55: Das muss man immer noch mal genauer betrachten.

00:31:57: Steckt da wirklich was hinter?

00:31:58: und deswegen gibt's ja heute den Begriff Vanity Matrix also die schmeicheln dem Absender aber verraten nicht immer so viel.

00:32:06: Aber ist das nicht ein bisschen verrückt, sage ich jetzt mal?

00:32:09: Dass die Plattform selber messen.

00:32:12: Ist das nicht einzigartiger Vorgang eigentlich in der Werbung?

00:32:15: oder sagt ihr das ganz normal?

00:32:17: Naja, dass es ja schon die Revolution im Digitalen, dass man so viel messen kann also immer die Situation wenn Plakate in einer Stadt irgendwo geklebt sind da kann ja keiner genau nachvollziehen wie intensiv wie lange wurde dahin geguckt oder haben alle weggeguckt?

00:32:33: Also das hat ja auch die digitalen Anbieter so beflügelt und so stark gemacht, und so beliebt gemacht, dass man da erstmals ganz konkrete Zahlen hatte.

00:32:42: Wie viel Klicks was da passiert?

00:32:45: Die man sonst eben nicht so klar hat!

00:32:47: Ja du versteh ich

00:32:48: Aber kritisch gesehen werde ich natürlich die Erfolgsmessung selber kontrolliere in der Hand habe.

00:32:53: Und es kommt natürlich noch aus dem Hype wo alle dann sagen jetzt bauen wir uns Social Das müssen wir bedienen.

00:32:57: und so Wir hatten die klassischen traditionellen Medien auf denen wir geworben haben.

00:33:01: Der hat natürlich auch die Deutungshoheit über die Wirkung und da merken wir gerade, dass wird jetzt auch diskutiert.

00:33:06: Wie relevant ist das?

00:33:07: Man hat ja auch viel Performance Marketing in Social gemacht und vielleicht eher Markenaufbau- und Imagewerbung an anderen Kanälen Und das gerät jetzt etwas ins Wanken.

00:33:16: Wie lange habe ich denn überhaupt als Werbetreiber eine Chance, wenn ich irgendwo bei Social Media ein Werbesport anbiete?

00:33:23: Also wie viel Geduld bringen die Menschen überhaupt noch auf.

00:33:26: Ab wann kann ich sagen derjenige, der sich das angeguckt hat war aufmerksam und merkt sich die Marke!

00:33:34: Die Zahlen sind erschütternd nämlich nur so drei bis vier Sekunden.

00:33:39: Da

00:33:40: muss man aber ein ziemliches Genie sein, um die Werbung so zu konzipieren.

00:33:43: Dass das heutzutage wirklich nachhaltig ist.

00:33:46: Die verschiedene Kanäle haben auch ganz eigene formale Anforderungen was die Werbewirkung betrifft.

00:33:51: Aber die ersten Sekunden entscheiden ob der gefällt oder überhaupt eine Chance bekommt zu einer Werbung zu werden.

00:33:57: Sonst ist er weg, ne?

00:33:58: Er ist weggewischt.

00:33:59: Ist der Werbekontakt nicht da.

00:34:01: Thomas ab wann würdet ihr denn sagen es ist tatsächlich Werbung Und nicht nur ein Bild, was weg ist.

00:34:08: Mit einer minimalen Verarbeitung – es muss eine erste Verarbeitungsdauer sein und die erste kognitive Verarbeitungen.

00:34:13: Das ist so etwas aus der modernen Marketing-Science die Availability das sowas wie eine Mental availability überhaupt entsteht.

00:34:19: Also die eigentliche Goldwährung ist ja heute eine Verweildauer.

00:34:23: also dass das Zeit bekommt.

00:34:24: Dirk hat auch viel zum Thema Aufmerksamkeit geforscht.

00:34:27: im Kontext jetzt der Werbewirkung.

00:34:29: das ist heute zentral Time Spend, sagt man manchmal.

00:34:32: Damit überhaupt ein Verständnis entstehen kann.

00:34:35: Also deswegen ist ja auch die klassische Spot-Werbung, klassisch als TV-Spot jetzt immer mehr im Streaming so klar im Vorteil weil da eben die Durchschnittsverweildauer dann Richtung fünfzehn, sechzehnt, siebzehn Sekunden geht und da kann man richtig Storytelling betreiben und die Marke auch mit Stories emotional aufladen während eben naja diese sehr verkürzte Form der Aufmerksamkeit Ja, da gibt es Marken, die sind darauf spezialisiert.

00:35:03: Die nehmen dann diesen Meme-Charakter ein... Also ein schönes Beispiel dafür ist dieses Sprach Abduolingo mit dieser Eule, die da immer rumhüpft und das wird dann eigener Kult und da reichen auch zwei Sekunden oder so wenn sie wieder irgendein crazy Ding macht.

00:35:19: Dann bleibt das in diese Zielgruppe, die auf Memes sozialisiert ist, wiederum hängen.

00:35:25: Aber in der Tat, es ist eben halt auch über diesen Medienbruch.

00:35:29: Dass diese Social Media, Insta, TikTok so ganz eigene Sprachen auch entwickeln für die klassische Markenwerbung da schwer.

00:35:40: Deswegen geht's so viel auch in das Influencer-Feld.

00:35:43: Wenn man dann wieder mit den Influencern... Da isst man länger dran und wenn die dann die Marke einstreuen, da ist das dann besser zu beackern des Feld fürs Marketing.

00:35:53: Ist dann integraler Bestandteil der Story und nicht ein störendes unterbrechendes Element in dem Kontext, deswegen funktioniert das gut.

00:36:00: Aber denn erklärt einmal Goldstandard Verweildauer abgespeichert verstanden was sind Likes und Kommentare wird?

00:36:07: Ja bedingt!

00:36:09: Also der Kommentar ist Resultat der Beschäftigung und eigentlich so eine Verlängerung des eigenen Erlebens in der Auseinandersetzung.

00:36:17: Aber Kommentare sind ja nicht gerade Kommentare, es kann ein guter Kommentar sein, der wertvoll ist.

00:36:23: aber auch kritische können wertvoll sein indem man sich damit beschäftigt.

00:36:25: also es geht ja auch darum Kontakt häufigkeit zu haben.

00:36:29: aber nehmen wir auch mal die Kultur die wir heute haben mit den ganzen Emojis und Herzchen und diesen Mega oder was da kommt.

00:36:35: das ist ja häufig auch noch keine Tiefe auseinandersetzen Erstmal nur, wie so eine Bekundung sein oder so eine Zugehörigkeit.

00:36:41: Aber ein Kommentar ist erst mal eine Verarbeitungsform

00:36:45: Da und man achtet natürlich da auch auf virale Aspekte.

00:36:50: also je mehr Kommentare, je mehr Resonanz hier mehr teilen dann geht so ein Ding viral Und das ist ja auch die eigentliche Währung TikTok vor allen Dingen, die kauen es dann.

00:37:01: Wie oft wurde das geklickt?

00:37:03: Und da sind dann Sachen, die als nebenbei Produkte eben produziert wurden.

00:37:08: auf einmal kriegen die fünf sechs sieben Millionen Klicks und dass ist eben auch so ein bisschen für das Marketing wie Würfeln, dass das so ganz schwer voraussehbar is.

00:37:19: Wann geht was viral.

00:37:21: wann geht's nicht viral?

00:37:22: Da gibt´s eigentlich auch keine Möglichkeit das vorauszusagen sondern das ist dann immer Into the wild, wie man sagt.

00:37:29: Also im freien Feld ergibt sich das dann.

00:37:31: wann ist eine Werbemassnahme erfolgreich oder nicht?

00:37:35: Das heißt dass etwas viral geht es immer noch.

00:37:37: ne ganz knallharte Währung und auch ganz wichtig aber man guckt auf die Reichweite schon etwas vorsichtiger mehr in Richtung qualitative Werte.

00:37:48: habe ich das jetzt richtig interpretiert?

00:37:50: Ja, das stimmt so.

00:37:51: Also das ist ganz wichtig dass man eben halt auch darauf achtet auf sowas wie Brand Healths.

00:37:56: Wir haben da auch in der Vergangenheit Felde gehabt So selbst ironische Sachen.

00:38:01: Denkt mal mal an die Bahn Die dann mit so einem Spot kommt ob Sommer Frühjahrherbst und Winter, wir kommen immer zu spät.

00:38:09: Solche Memes haben die dann noch selber geschaltet sogar und sind viral gegangen aber natürlich für die Marke ja teilweise eine Katastrophe.

00:38:18: oder es gibt so selbstläufe im Internet von Themen wo man sich dann auch fragt, da wird eine Marke im TV ganz lange sorgfältig aufgebaut und dann kommen so Zufallsprodukte aus der Social Media Abteilung.

00:38:32: Und da ist die Hälfte der Contents qualitativ ja Kontra zu den eigentlichen Markenwerten, die man solange gepflegt hat.

00:38:40: Ja also wir haben oft doch den Fall dass wir den Kunden raten das lieber nicht zu schalten oder weiterzumachen.

00:38:45: Also da muss man gucken wie kriegt man eine Verlängerung von einer guten Kampagne in die einzelnen Kanäle?

00:38:49: Da unterscheidet sie auch Insta von TikTok massiv.

00:38:52: Facebook ist nicht vergleichbar, es hat eigene Nutzungslogiken.

00:38:56: Wenn man das eh jetzt nicht hundertprozentig vergleichen kann, ist das vielleicht ein bisschen Schuss ins Blaue von mir.

00:39:01: die abschließende Frage aber noch mal um das Wichtigste herauszuarbeiten und zu verstehen was für eine Marke am Ende wertvoller?

00:39:09: Eine sehr theoretische Frage ich weiß.

00:39:13: drei Sekunden an oder aber nicht eine Million, sondern zehntausend Menschen schauen den Sport bis zum Ende und unterhalten sich anschließend noch darüber.

00:39:21: Wenn ich euch jetzt gehört habe glaube ich bist die Antwort relativ klar.

00:39:24: Es kommt drauf an wo...

00:39:26: Kommt darauf an!

00:39:27: Bist du Jurist?

00:39:28: Ja ja ne das ist die Psylogen-Antwort immer sehr trainiert auf das.

00:39:33: für reine Bekanntheit kann die sehr große Zahl kurzer Kontakte relevant sein.

00:39:38: also erst mal da was generieren und erstmal in den Kopf kommen für komplexere Botschaften, Markenpositionen und irgendwelche Verhaltensänderungen herbeiführen will.

00:39:48: Dann nämlich die Zehntausend, die sich intensiv beschäftigen.

00:39:52: Aber man darf auch die Tiefe jetzt wieder ein bisschen kritisch da nicht immer romantisieren weil auch zehntausend engagierte Menschen ersetzen auch nicht automatisch die breiten Wirkung dieser Großen Kampagne.

00:40:03: Also das eine sichtbar machen, dass anderes Bedeutung verleihen.

00:40:06: man kann das nicht machen und wir haben zum Beispiel auch Dirk und ich.

00:40:08: seit vielen Jahren arbeiten wir wenn es jetzt um Influencer-Marketing anderes geht wie die Influenzer Matchmatrix da gucken wir genau.

00:40:15: was ist eigentlich das Ziel?

00:40:17: Was möchte ich mit dem Werbekontakt letztlich erreichen?

00:40:20: Möchte ich einen USP, möchte ich den Trigger an, möchte sich nicht ein Marken-Image aufpolieren.

00:40:25: Muss ich überhaupt erst mal eine Aufmerksamkeit generieren um ins Relevant Z zu kommen?

00:40:30: und aufgrund dieser Erkenntnisse kann man dann auch die Regeln und den Zuschnitt der Werbemittel viel besser aussteuern?

00:40:36: Ja und es kommt eben auch noch ganz basaler Punkt dazu dass die Zielgruppen über unterschiedliche Kanäle eher erreicht werden also die junge Zielgruppe Teenager bis so in die Ende zwanziger.

00:40:51: Die kriegt man immer weniger über lineares TV, das ist leider so.

00:40:56: Und für die ist das Light-Medium halt Social Media und auch viel zuviel und die leiden selber darunter.

00:41:03: Während eine Fünfzig Plus Zielgruppe natürlich bei TikTok nicht viel mit anfangen kann.

00:41:09: also gelegentlich sind sie da drauf aber im Wesentlichen kriegt Man die noch sehr gut über lineares TV und Spots die man beim Streaming bringt.

00:41:18: So ergibt sich da eben ein Komplex dieses Bild, was man auch so falsch spezifisch also kommt es auf die Marke an.

00:41:25: Die Werbekampagne, die da abgezählt wird und die Zielgruppen das Medienplanung bleibt eine ganz komplexe Geschichte und sicherlich einfacher geworden durch die Social Media.

00:41:37: Ich sage vielen Dank Thomas und Dirk für heute.

00:41:40: Ich werde über vieles nachdenken, besonders über unser Gespräch zum Thema Vogue und Meinungsfreiheit und Toleranz

00:41:45: etc.,

00:41:46: das fand ich sehr erhellend.

00:41:47: Vielen Dank dafür!

00:41:48: Und dem Begriff den ich gelernt habe, seelische Selbstbehandlung hatte ich vorher noch nie gehört.

00:41:52: Sehr spannend also vielen dank euch beiden wünsche euch gut Erholung.

00:41:56: wir

00:41:56: danken.

00:41:57: am zweiten September kommt die nächste Folge mit euch.

00:41:59: herzlichen dank.

00:42:01: bis dann

00:42:02: tschau Ein Maskenau-Podcast mit dem Institut Concept M und Marcel Becker.

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